Rückblick aufs dritte KDA-Festival - andere Welten
Knapp zwei Wochen ist es nun her, dass in Nettersheim zum dritten Mal das ‚Klär Dich Auf’-Festival stattfand. Unter dem Motto ‚Andere Welten’ wurde dort versucht zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und Spaß keine sich widersprechenden Dinge sind, sondern dass sich im Gegenteil ein ansprechendes Unterhaltungsangebot sehr wohl mit einem soliden ethischen Fundament vereinbaren lässt. Freilich wussten wir schon aus den vergangenen zwei Jahren, dass dies für den ein oder anderen Gast kein gewöhnlicher Festivalbesuch sein kann: veganes Essen aus kontrolliert-biologischem Anbau, Bio-Bier und Bio-Cola, kompostierbares Geschirr aus China-Gras, dies alles gehört nicht zum Standardreportoire auf den meisten Festivals. Dazu gab es ein breites inhaltliches Angebot in Form von Infoständen, Vorträgen und Workshops, mit dem sich die Besucher konfrontiert sahen, egal ob sie wegen der Musik, dem Filmangebot oder tatsächlich wegen der dahinterstehenden Idee nach Nettersheim kamen.
Inoffizieller Beginn am Donnerstag
Los ging es in diesem Jahr bereits am Donnerstag. In kleinem Rahmen wurde sich dort bei zwei Liedermachern und Kneipenbetrieb auf die bevorstehende ’saubere’ Party eingestimmt. Patrick und ‚Mucki’ ließen die etwa dreißig Gäste an ihren Songs teilhaben. In den Pausen konnte man sich dann mit den Inhalten des ‚ Infohefts zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in der Eifel’ konfrontieren, welches von der KDA-Gruppe im Laufe des Jahres 2010 erstellt wurde und dessen erste Ausgabe mit Festivalbeginn veröffentlicht wurde. Ein gemütlicher, reibungsloser Abend, bei dem alte Bekanntschaften gepflegt und neue Kontakte geknüpft wurden, kurz: es war genau der Abend, den man sich als inoffiziellen Einstieg ins 3. KDA-Festival erhofft hatte.
Letzte Vorbereitungen
Die Gemütlichkeit war zumindest auf Veranstalterseite am nächsten Morgen allerdings schon wieder verflogen. Nun galt es, die letzten Aufbauarbeiten zu leisten und die Technik zu installieren. Außerdem wollten die angereisten Gäste verpflegt werden, von denen sich einige auch direkt mal in die Aufbauarbeiten einklinkten. Mit voranschreitender Zeit wurden dann die Besucher zahlreicher, immerhin startete das Musikprogramm bereits um 17:30 Uhr. Auch die Musiker trudelten langsam auf dem Veranstaltungsgelände ein, vertrieben aber ihre Wartezeit lieber mit einem Spaziergang im Dorf und dessen umliegender Wanderlandschaft.
Ab 17 Uhr startete dann so langsam der offizielle Festivalbetrieb. Die ersten Flaschen Pils, Urstoff und Weizen wanderten über die Theke, es gab Chilli con Veggie, Hotdogs, Veggiewurst und Bratkartoffeln für leere Mägen, NOW-Cola und Eifeltraum für die Autofahrer oder Abstinenzler und natürlich jede Menge Musik. Den Anfang machten die Combat Singers, die g
emeinsam mit Greenpeace zur Veranstaltung kamen und den Besuchern ganz zu Anfang ordentlich einheizten. Inzwischen hatten sich gut 150 Besucher auf dem Festivalgelände eingefunden, die als zweiten Act das Heimspiel von Jim Newa hören und konnten. Es folgte gegen 20 Uhr – inzwischen hatte sich die Gästeliste um etwa 50 Neuankömmlinge erweitert – der Auftritt der kurzfristig engagierten Truppe Riddimculcha. Ursprünglich war als dritter Act am Freitag
der Rapper Tim Plus aus Köln vorgesehen, doch dieser musste wegen einer Stimmbandentzündung kurzfristig absagen. Zumindest, wenn man den Gästestimmen glauben schenken darf, war dies aber
kein allzu großes Problem, denn die Reggae-Truppe sorgte für ausgezeichnete Stimmung und machte zweifellos vor dem Auflaufen des freitäglichen Headliners Lust auf mehr.
Monsters of Liedermaching in Nettersheim
Gegen halb elf war es dann soweit: Vor rund 300 Besuchern kamen die aus Hamburg angereisten Monsters of Liedermaching auf die Bühne – und ließen das Festivalzelt für die nächsten knapp zwei Stunden toben. Sitzpogo oder Konfetti, Lieder zum Mitsingen oder tanzende Künstler bei den Zuschauern, verstärkt oder unplugged, die Monsters zeigten sich beim KDA-Festival sehr facettenreich. Man hatte den Eindruck, dass es der Truppe gut gefiel bei uns, und tatsächlich erblickte man einige von Ihnen auch noch bei der letzten Band für diesen Abend: Typ:T.u.r.b.o. , am großen Feuer, beim Smalltalk auf dem Klo oder bei der nächtlichen Jamsession (es war inzwischen schon drei Uhr) auf der Bühne. Auch der Tourtagebucheintrag von Rüdiger am darauffolgenden Tag ließ durchblicken, dass es den Monsters auf unserem Festival gefallen hat: „Dieses kleine Festival war voll gepackt mit sympathischen Menschen, nirgends Nerv, nirgends Gegröhle, nirgends Aufdringlichkeit, Komplikationen oder sonst irgendein Stress – einfach ein Fest unter netten Menschen. Ob es unser Auftritt war oder der irgendeiner anderen Band, ob am Lagerfeuer beim Gitarre kreisen lassen oder beim Bier holen oder beim Tanzen – mir sind ausnahmslos angenehme Menschen begegnet.“ Der „sensationelle Sternenhimmel“ hatte dazu wohl auch seinen Teil beigetragen.
Aber noch einmal zurück zu Typ:T.u.r.b.o.: das KDA-Festival ist sicherlich ein so manche Grenzen aufweichendes Fest. Das heißt natürlich auch, dass man sich an Grenzen heranwagen muss. Für das Eifeler Ohr war eine solche Grenze mit dem Auftritt von Typ:T.u.r.b.o. sicherlich gegeben. Und obgleich die Turbotypen selbst nicht ganz mit ihrem Sound zufrieden waren, war es für die verbleibenden Besucher ohne Zweifel eine erfolgreiche musikalische Erfahrung. Da wurde man schon neugierig zu erleben, wie sich die Jungs mit optimalem Sound anhören (:
Ein bunter Samstag Nachmittag
Sodann war Tag eins des Festivals vorüber, doch schon am Samstag morgen folgten die nächsten Programmpunkte. Schon um elf Uhr begann die beliebte Kräuterwanderung mit Christiane Alexa, die rund zehn interessierte Gäste durch die aromatische Vielfalt der Nettersheimer Wald- und Wiesenlandschaft führte. Indes begann mit etwas Verzögerung bereits der erste Vortrag der Gemeinde Nettersheim zur regionalen Energieversorgung. Daran waren vor allem auch die Vertreter von Greenpeace interessiert, die neben ArtEifel und Klär Dich Auf das Festivalgelände mit einem Informationsstand bereicherte. Einer etwas längeren Diskussion folgte dann ein Vortrag von Osaro Aideyan. Der Nigerianer berichtete über die ökologischen Probleme in einem nigerianischen Dorf und führte im Anschluss etwa fünf Festivalbesucher in die kulinarischen Raffinessen der nigerianischen Küche ein.
Aufgrund der Verzögerungen musste der eigentlich angesetzte Film ‚Nachkriegsjahre in der Eifel’ von Dietrich Schubert ausfallen, stattdessen ging es gegen 15 Uhr weiter mit dem Hauptvortrag der KDA-Gruppe: ‚Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Gemeinde Nettersheim’. In Anlehnung an das veröffentlichte Infoheft schilderte Pascal Frank den etwa dreißig Zuhörern die Ergebnisse aus den letzten Monaten Erhebungsarbeit, die trotz geringerer Verbreitung gruppenbezogen menschenfeindlicher Einstellungen in der Gemeinde nicht nur Grund zu Zuversicht bieten. Wer lieber direkt im sonnigen Wetter sitzen wollte, hörte draußen der Kölner Sambatruppe zu oder vergnügte sich beim Beachsoccer. Das geplante Turnier war es sicherlich nicht, was sich dort am Samstag Nachmittag abspielte, konnten die knapp hundert Gäste harte Zweikämpfe, grobe Fouls, traumhafte Pässe und einzigartige Tore bejubeln (: Essen gab es natürlich auch reichlich: veganes Rührtofu, Kaffee und Kuchen, nigerianisches Essen aus dem Kochworkshop und später dann auch die Produkte des veganen Kochworkshops wurde den Hungrigen angeboten. Natürlich konnte man sich auch darüber informieren, wieso es auf dem Festival denn nur pflanzliche Nahrung zu finden gab. Die beiden letzten inhaltlichen Programmpunkte stellte der Vortag des Juso-Kreisverbands in Person von Daniel Vermöhlen dar, welcher die Besucher in die Problematik der Kinderarmut einweihte und mit denselben darüber diskutierte. Den Schlusspunkt machte ein Vortag zu Topf & Söhne, einer ehemaligen Fabrik in Erfurt, in der im Rahmen des zweiten Weltkriegs Krematorien für die Verbrennung der Opfer des Naziregimes hergestellt wurden.
Fünf Bands am Abend
Danach ging es wieder ordentlich zur Sache. Regelrecht aufgeweckt wurde man nach den Vorträgen durch die Kellerasseln. Die Erfurter Band brachte waschechten Crustpunk nach Nettersheim und lockte bis etwa 19 Uhr wieder knapp 150 Besucher aufs Gelände. Rock’n Roller Slin folgte diesem Trend und ließ mit seiner One-Man-Show die Menschenmassen antanzen (;, ehe TPunktError ausnahmsweise mal wieder einen Live-Auftritt antischten.
Der Hauptact des Samstags lockte dann zwar etwas weniger Besucher wie am vorangegangenen Tag: dennoch rund 200 Leuten liessen die Clerks eine feine Mischung aus Ska, Reggae & Rocksteady durch die Gehörgänge wummern und das Tanzbein schwingen. Mein ganz persönliches musikalisches Highlight folgte allerdings erst im Anschluss – da war es schon etwa ein Uhr. Da ließ dann die vierköpfige Hardrock-Dampfwalze Nitrovolt noch mal die Fetzen fliegen, was zwar nicht mehr allzu viele Leute miterlebten, die übrig gebliebenden dafür umso intensiver genossen (: Getanzt wurde noch bis knapp vier Uhr, denn wie angekündigt gab es in der Nacht zum Sonntag noch eine nette Aftershow-Party. Viele Leute verbrachten die freilich in aller Ruhe am Feuer, doch für den äußerst gelungenen zweiten Festivaltag tat das keinen Abbruch. Es besteht auch zwei Wochen nach dem Festival kein Zweifel daran, dass das 3. Klär Dich Auf Festival bis zu diesem Zeitpunkt ohne Einschränkung ein voller Erfolg war.
Der Sonntag fällt ins Wasser
Zumindest wettertechnisch lässt sich das dann vom Sonntag nicht mehr behaupten. Als am morgen die ersten Regentropfen auf das Zelt niederprasselten, kündigte sich bereits an, was sich durch den ganzen restlichen Sonntag ziehen sollte: Regen, Regen, noch mal Regen. Schnell verwandelte sich das Festivalgelände in ein Schlammfeld und machte die Bühne praktisch unbenutzbar. Die Installationen zweier Künstler , welche auf dem Gelände während des Fests aufgebaut waren, mussten, da sie teils interaktiv elektronisch bedienbar waren, schnell abgebaut werden. Für die anstehenden Theaterauftritte musste in das Infozelt ausgewichen werden, welches wegen dem Ausfall des Workshops zum bürgerschaftlichen Engagement frei war. Optimale Bedingungen waren dort zwar sicherlich auch nicht, aber gemütlich war es doch, als Jana Zöll ihr Stück ‚Liebe in Gedanken’ vor etwa zwanzig Zuschauern auf engstem Raum vortrug. Die restlichen Programmpunkte – Cats´n Fruits sowie die Aufführung des Puppenspiels von Two Hands – wurden dann aber aufgrund der Witterung abgesagt – da traute sich ohnehin kaum jemand vor die Tür. Nun, die verbliebenen Gäste und die Organisatoren hatten aber zweifellos noch ihren Spaß, und selbst die Presse ließ sich am Sonntag noch wieder auf dem Gelände blicken. Der Höhepunkt war sicherlich die dramatische Neuauflage des traditionellen Schnick-Schnack-Schnuck-Turniers, welches unter schweiß- und nervenaufreibenden Bedingungen und lautem Getöse auch dieses Jahr wieder ausgetragen wurde. Den Sieg mitsamt roter Beete als Trophäe sicherte sich in diesem Jahr der als Favorit gehandelte Max-Peter-Thomas Kersken, der seinen Gegnern keine Chance ließ. (:
Resumee
Was lässt sich also sagen? Ich denke wir von Klär Dich Auf können im dritten Anlauf auf ein sehr gelungenes Event zurückblicken. Der Spagat zwischen Nachhaltigkeit und Unterhaltung ist uns ganz sicher gelungen, obgleich sich noch vieles weiterentwickeln ließe. Nach drei Anläufen ist uns aber hier eine solide Grundsteinlegung gelungen, die auch besuchertechnisch in diesem Jahr zufriedenstellend gewürdigt wurde. Dies hat zur Folge, dass wir auch auf finanzieller Ebene große Fortschritte verzeichnen können, obgleich wir eine ausgeglichene Bilanz auch dieses Jahr knapp verfehlten (über Spenden sind wir wie immer dankbar (: ).
Ohne Zweifel haben wir es aber geschafft, ein für die Region und darüber hinaus einzigartiges Angebot aus Information, Unterhaltung und Erlebbarem zu schaffen und auf diese Weise Impulse für eine nachhaltige soziale und ökologische gesellschaftliche Ausrichtung zu setzen. Dies ist umso bedeutender, als dass die Eifel sicherlich nicht für eine Vielzahl politisch motivierter Veranstaltungen bekannt ist. Mit dem KDA-Festival ist es uns gelungen, eine Plattform für soziale und ökologische Aktivität zu schaffen, an deren Gestaltung sich eine Vielzahl von Menschen beteiligt haben und an deren weiteren Entwicklung sich noch mehr Personen integrieren können.
Ob es auch im nächsten Jahr wieder ein KDA-Festival geben wird, ist zwar zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar; ganz sicher steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit, wenn es weitere Personen gibt, die sich an dessen Realisierung beteiligen würden.
Ein grosses Dankeschön geht an alle Unternehmen, Organisationen, Parteien und Privatpersonen die uns unterstützt haben:
Gemeinde Nettersheim, Foodcoop Schmatzkram, Lammsbräu, Viana, Natumi, Eifeltraum, Bio-Grosshandel Bois,
Kreisverband Bündnis 90/ die Grünen, Ortsverband Bündnis 90 / die Grünen Nettersheim, UNA Nettersheim, FDP Ortsverband Nettersheim, die Linke Kreisverband Euskirchen,
Bäckerei Milz, Senfmühle Bad Münstereifel, Bioladen "die Tomate" Mechernich, Bioladen Schleiden, VR Bank Marmagen Obi Kall, Hellweg Kommern, Praktiker Schleiden, Fassbender Tenten Blankenheim,
Info & Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus der Stadt Köln & alle privaten Spender







